Rückschau auf 2022 und Pläne fürs neue Jahr

Runzelfuesschen Rückschau 2022
Runzelfuesschen Rückschau 2022

Dass ich Rückblicke und Pläne liebe, dürfte nach acht Jahren kein Geheimnis mehr sein. Es ist durchaus möglich, dass ich nicht jedes Jahr öffentlich Rückschau gehalten habe, aber privat habe ich das immer getan. Mir tut das gut, es gibt vielem einen Rahmen und hilft mir beim Navigieren durch die kommende Zeit. Deswegen ist die zeit zwischen den Jahren auch eine meiner liebsten. Alles ist ruhig, selbst Berlin fühlt sich in dieser Zeit wie ein Dorf an, die Straßen sind meist leer und es ist ausnahmsweise mal stiller als das übliche Jahr hier. Mir tut das gut, gerade auch nach dem für mich sehr herausfordernden 2022.

Oben seht ihr die beliebtesten neun Fotos von meinem Instagramaccount. Ich glaube ehrlicherweise aber auch, es waren die einzigen Fotos, die ich überhaupt auf der Plattform hochgeladen habe. Ich nutze Social Media beruflich tatsächlich recht intensiv, privat bzw. zur Selbstdarstellung aber kaum noch. Mir fehlen da oft die Worte und weil mein Ziel nie war, ein Business aus dem Blog oder den Social Media Kanälen zu machen, habe ich das Gefühl, den Anschluss verpasst zu haben. Ich mag den Austausch dort noch immer sehr, aber oft fehlen mir die Worte.

Die fehlten am 24. Februar 2022 wohl den meisten von uns, als Russland die Ukraine angriff, als im September Jina Mahsa Amini im Iran von der Sittenpolizei in Gewahrsam genommen wurde und in deren Obhut gewaltvoll verstarb. Dieses Jahr hatte sehr viele Herausforderungen im Gepäck, vieles von dem was wir als gesetzt und sicher in unserem Leben verbucht hatten, brach auf und verunsicherte. Damit zurecht zu kommen, ist nicht einfach und bleibt leider auch 2023 ein Thema.

Für mich persönlich hatte 2022 auch einige Herausforderungen im Gepäck, unter anderem eine Erkrankung die mir den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Ich würde gern sagen: Alles super, alles überstanden, aber nein, die Erkrankung wird mich wohl auch weiterhin begleiten. Schmerzen waren 2022 ein großes Thema und ich habe an vielen Tagen geflucht und war sehr verzweifelt, weil sich keine Besserung einstellen wollte, weil ich viel zu oft nicht tun konnte, was ich tun wollte. Weil alle wegen mir zurückstecken mussten und ich irgendwann gemerkt habe, dass ich einfach nicht mehr kann und trotzdem alles weitergehen muss.

Gleichzeitig hat mir das Jahr aber auch gezeigt wie wichtig es ist, sich zu öffnen, andere am Leben teilhaben zu lassen und nicht immer mit „alles gut“ alles wegzuwischen. Es ist ok auch mal zu zeigen, was gerade überhaupt nicht läuft und noch viel wichtiger ist es, Hilfe anzunehmen, wenn sie angeboten wird. Daran, um Hilfe zu bitten, kann ich ja 2023 arbeiten, das habe ich im vergangenen Jahr nicht so gut hinbekommen. Aber immerhin hat das mit dem Öffnen schon geklappt und ich bin sehr dankbar, dass dadurch auch einige neue Menschen in mein Leben getreten sind, die hoffentlich ein Stück des Weges mit mir gehen.

Beruflich kann ich mich über 2022 fast nicht beklagen, obwohl, wenn ich mich hier schon öffne, zur Wahrheit dazugehört: Für 2023 sieht es gerade nicht gut aus. Das Jahr 22 fing gut an, ich habe viele tolle Aufträge bekommen, spannende Interviews geführt, gute Texte geschrieben, viiiiiel Leser*innenpost bekommen, schönes Feedback, einige Kritik, inspirierende Ideen umgesetzt und so angenehm mit vielen verschiedenen Redaktionen zusammengearbeitet. Zum Ende des Jahres kamen dann aber aus einigen Redaktionen leider die Nachricht: Wir können erstmal nicht mehr mit freie Journalist*innen zusammenarbeiten. Natürlich wird auch im Journalismus gespart, wie eben überall, und ich versuche nicht sofort ins Grübel zu geraten und in Aktionismus zu verfallen, weil ich fürchte, dass ich aktuell sowieso wenig tun kann. Und auch, weil Panik selten ein guter Ratgeber ist. Aber, also wenn ihr das lest und glaubt, ihr bräuchtet Unterstützung im Bereich Familienjournalismus, TV/Filmkritiken oder Interviews, sagt mir gern Bescheid.

Apropos Interviews, davon hatte ich 2022 wirklich einige ganz besondere. Eines „seht“ ihr oben in der Collage, ich habe mit Florian David Fitz über seinen neuen Film „Oskars Kleid“ gesprochen und fand das wirklich besonders. Weil wir uns gar nicht mal so einig waren und weil ich es immer gut finden, wenn man einander zuhört und eben wirklich ins Gespräch kommt.
Das Interview mit Florian David Fitz findet ihr auf familie.de

Ebenfalls beeindruckend fand ich das Interview mit Milan Peschel. Weil wir uns total verquatscht haben, weil er die Frage meiner Kinder, ob er denn ein magisches Tier für sie hätte so schön beantwortet hat und überhaupt sehr nahbar war. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich finde es immer gut, wenn ich bei Interviews auch immer etwas über den Menschen erfahre. Ich meine das nicht sensationslüsternd, mich interessieren die familiären Umstände und das Privatleben in aller Regel überhaupt nicht, mir geht es auch nie ums Ausfragen. Aber durchaus darum zu zeigen: Wer sitzt mir da gegenüber, was können die Leser*innen jenseits von all dem, was in jedem Interview steht, noch erfahren? Wie geht das euch eigentlich? Was lest ihr gern, was wollt ihr gern erfahren, was bewegt euch, Interviews überhaupt zu lesen oder anzuschauen? Ich überlege nämlich, ob ich noch mehr in diese Richtung ausprobieren möchte und da wäre Feedback von euch natürlich super.
Das Interview mit Milan Peschel und anderen Darstellenden aus „Die Schule der magischen Tiere“ findet ihr auf familie.de.

Für „Leben & Erziehen“ habe ich in 2022 viele schöne Geschichten umgesetzt, besonders im Gedächtnis geblieben ist mir das Gespräch mit Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider zur Frage, wie umweltschädlich Skiurlaub eigentlich ist, eines mit Joshua Jahn von der Verbraucherzentrale zu Spartipps für Familien und ein Artikel über Nachhaltigkeit zum Schulstart. Die Artikel kann ich euch leider nicht verlinken, die sind im Heft erschienen.

Gleiches gilt in Bezug auf Verlinkungen übrigens für all die TV- Kritiken die ich für verschiedene Auftraggeber 2022 geschrieben habe. Ehrlich gesagt, vieles von dem was ich beruflich gucke, hinterlässt keinen bleibenden Eindruck (abgesehen von der einen Woche „Promi Big Brother“ am Stück, das äh…ja), aber die Nachrichten, die von Menschen dazu kommen, weil sie anderer Meinung sind, die vergesse ich in der Regel nicht so schnell, weil sie leider zu 99 % sehr unfreundlich ist.

Ok, genug von meiner Arbeit, hin zu mehr Privatem. Wir sind 2022 auch wieder gereist, nicht so weit weg wie vor Corona und mit mittlerweile zwei Schulkindern fehlen mir auch ein bisschen die Ideen. Für 2023 sind wir noch vollkommen planlos. Wenn ich ganz ehrlich bin, im Moment würde ich gern einfach für ein paar Monate mal raus. Geht natürlich wegen der Schule nicht. Und wegen dem Job meines Mannes. Aber wenn es nach mir ginge, wenn ich auch all meine Umweltbedenken und die Nachhaltigkeitsgründe, die dagegen sprechen, mal außer Acht lassen würde, dann würde ich einfach gern mit meiner Familie ein paar Monate nach Südostasien gehen, von dort arbeiten und sonst viel Zeit damit verbringen nichts zu tun und den Kindern und mir selbst beim Erholen zuzugucken, ohne den Alltagsstress. Wir haben das ja 2017 und 2018 gemacht und wir alle reden sehr oft davon, nach wie vor. Die Sehnsucht ist in den letzten Jahren nicht kleiner geworden, auch wenn wir das 2023 nicht in die Tat umsetzen werden. Habt ihr denn schon Pläne für Reisen im neuen Jahr? Oder bleibt ihr daheim und erkundet die Region?

Das habe ich 2022 dank 9 € Ticket mit den Kindern auch gemacht und es hat uns so gut gefallen. Wir waren eine Woche in Magedeburg, Leipzig, Erfurt und Halle unterwegs und es hat entgegen meiner Erwartung richtig super funktioniert. Wir hatten meist Glück mit den Zügen, die zwar sehr voll waren, aber allein mit drei Kindern wurde uns eigentlich immer noch eine Ecke zum Sitzen angeboten. Oft kam die Bemerkung, dass das ja mutig von mir sei und ich habe das überhaupt nicht verstanden. Ich weiß natürlich, dass die Leute das nur nett meinten, aber ich wünschte mir, sie würden stattdessen alleinerziehende Eltern mehr unterstützen. Ich war ja nur eine Woche mit meinen Kindern im Urlaub und die größte Schwierigkeit bestand darin, das Gepäck zu bewachen und die Kinder zusammenzuhalten.

Auch am Meer waren wir 2022 öfter, wir haben die polnische Ostsee für uns entdeckt, waren in den Sommerferien in Dänemark und auch wenn das alles kein echter Badeurlaub war, die Auszeiten tun immer gut. Und am Meer ist, zumindest für mich, vieles, wenn auch nicht alles, besser.

Meine Migräne hat sich jedenfalls verschlechtert, was ich ehrlich gesagt nicht wirklich für möglich gehalten hatte. Die Herausforderung damit umzugehen, während drei Kinder versorgt werden müssen, hat mich oft ans Limit gebracht und ehrlich gesagt oft auch wütend gemacht. Denn auch in 2022 wurde mir mit Unverständnis begegnet, wenn ich mit Migräne noch unterwegs war oder Termine wahrgenommen habe.

„So schlimm kann es ja nicht sein“, war oft der Tenor und mich macht das echt sauer. Natürlich würde ich mich auch gern zurückziehen, nicht zuständnig sein. Aber ich habe Monate an denen ich fast täglich unter Attacken leide. Diese Erkrankung in der Ausprägung lässt sich nicht mit Rückzug und „heute bleibe ich mal im Bett“ regeln, ich muss oft einfach unter Schmerzen funktionieren und hoffen, dass die Kinder an der richtigen Station Bescheid sagen, dass wir aussteigen müssen, dass ich mir Notizen zu Gesprächen gemacht habe, um mich an Verabredungen halten zu können. Und nein, keine Entspannung dieser Welt kann Migräne in der Häufigkeit wegatmen oder wegmeditieren. Und auch keine Tabletten oder Spritzen, auch wenn meine Ärztinnen und Ärzte mich da gut beraten und ausstatten. Es bleibt eine Herausforderung und das sicherlich auch 2023.

Bücher habe ich 2022 auch einige gelesen. Ich überlege, habt ihr Lust, dass ich da mal eine Zusammenfassung mache? Am Strand von Dänemark hat mich „Die Wut, die bleibt“ jedenfalls sehr wütend gemacht und gleichzeitig extrem abgeholt. Große Leseempfehlung. Wenn ihr mehr lesen wollt, sagt Bescheid.

2022 war natürlich noch sehr viel mehr los als das, was ich hier zusammengefasst habe. Aber irgendwann muss ich ja leider auch mal einen Punkt setzen. Ich merke beim Schreiben hier, wie sehr ich den Blog noch immer mag, wie sehr er nach wie vor mein Zuhause ist, auch wenn ich ihn im letzten Jahr nicht so gepflegt habe, wie vorher. Und ich gestehe, ich denke auch an den Kinderbuchleben Podcast, auf dem wirklich laaaaange nichts passiert ist. Ich habe so viele Ideen aber 2022 war nicht das Jahr dafür. Deswegen muss an dieser Stelle vor allem auch ein Danke stehen für euch, die ihr mir so viele liebe Nachrichten geschickt habt, Pakete und Karten und Briefe. Mich berührt das so sehr und es zeigt mir, dass mein kleines öffentliches Zuhause auch eines ist, bei dem ihr gern vorbei schaut. Und das ist so schön.

Was 2023 bringt, wissen wir alle nicht. Ich hoffe auf mehr Gelassenheit und Zuversicht, mehr Lachen und weniger Schmerzen, mehr schöne Momente und Begegnungen und Freundschaft und Liebe und Kreativität. Was wünscht ihr euch? Ich freue mich sehr auf eure Kommentare.

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