Wackelzahnpubertät: Zwischen nicht mehr klein und noch nicht groß

Wackelzahnpubertät

Die Wackelzahnpubertät fordert Kinder und Eltern noch mal neu. Aber sie ist auch die Zeit, in der wir noch mal ganz anders miteinander umgehen lernen.

Da hat man als Eltern Babyzeit, Kleinkindzeit und Autonomiephase erfolgreich hinter sich gebracht und dann? Dann ist sie plötzlich da, die Wackelzahnpubtertät. Mich hat das in der ersten Zeit total überfordert, weil ich dachte, dass jetzt doch endlich mal alles gut wäre. Immerhin hatten wir doch die Vorschulzeit erreicht.

Dann aber wurde meine Tochter plötzlich anders. Ihr Verhalten änderte sich beinahe stündlich, von super gut gelaunt zu unglaublich schlecht drauf in wenigen Minuten. Ich verstand die Welt nicht mehr. Und überlegte, was sich denn so in ihrem Leben geändert hatte. Schnell kam ich drauf: Sie hatte neue Zähne. Zufällig hatte mein Mann den neuen Backenzahn entdeckt. Und mir wurde klar: Ein neues Zeitalter beginnt. Die Wackelzahnpubertät ist da.

Wackelzahnpubertät – was ist das?

Die Wackelzahnpubertät beschreibt die Zeit zwischen dem sechsten und dem achten Lebensjahr. Natürlich gibt es Abweichungen nach oben und nach unten, aber im Groben meint es die Zeit, in der eure Kinder ihre ersten Milchzähne verlieren und die ersten Backenzähne bekommen. Ein anderer Name für Wackelzahnpubertät wäre auch Vorschulpubertät. Das liegt daran, dass die meisten Kinder eben noch nicht in der Schule sind, wenn es bei ihnen los geht.

Gefühlsachterbahn

Bei uns ging es tatsächlich ganz klassisch mit fünfeinhalb Jahren los. Die Symptome: Schlechte Laune, gaaaanz viel Geschrei, dann plötzlich wieder kuscheln, Stimmungsschwankungen, Größenwahn und die Idee, alles, wirklich alles allein zu können. Und dann wieder die Schulter zum Anlehnen zu suchen. Diese Gefühlsachterbahn, die teilen wir Eltern glaube ich mit den Kindern.

Ist die Wackelzahnpubertät wie die richtige Pubertät?

Ein bisschen schon. Allerdings sind keine Hormone für die Stimmungsschwankungen verantwortlich. Viel mehr ist es so, dass unsere Kinder eben noch total überfordert sind mit ihren Emotionen. Wenn die Wut sie überrollt, dann überrollt sie sie. Das wird meist sehr laut, weil Geschrei leider an der Tagesordnung ist. Tatsächlich ist es hier so, dass es Wochen gibt, in denen meine Sechsjährige eigentlich nur schreiend mit uns „redet“. Und dann gibt es Zeiten, da ist sie ganz besonders ruhig. So Phasen gibt es in der echten Pubertät natürlich auch.

Mehr Geschrei als sonst

Das Geschrei hat hier total zugenommen. Als gäbe es nur noch Flüstern oder Brüllen und überhaupt keine Tonlage dazwischen. Das ist manchmal total anstrengend. In den Momenten, in denen ich eigentlich keine Lust mehr auf irgendwas habe, da besinne ich mich dann darauf, dass im Kopf meiner Tochter einfach gerade sehr viel los ist. Nicht nur, dass Zähne ausfallen und nachwachsen, es steht auch der Wechsel von der Kita in die Schule bevor. Und sie hat keine Ahnung, wie das werden wird. Das kann einen schon mal zum Ausflippen bringen, diese Angst vor dem Unbekannten.

Neue Zähne in der Wackelzahnpubertät

Tatsächlich bekommen Kinder in der Wackelzahnpubertät vier neue Zähne. Die Sechs-Jahr-Molaren. Das sind die ersten bleibenden Zähne, die Kinder bekommen und mit ihnen verändert sich auch der Gesichtsausdruck eurer Kinder. Denn sie kommen dadurch etwas sehr viel entschlosseneres. Und klar ist auch, durch die bleibenden Zähne verändert sich auch der Kiefer. Die neuen Zähne, also die Sechs-Jahr-Molaren und die bleibenden Frontzähne brauchen mehr Platz, als das Milchzahngebiss, die Zähne sind ja um einiges größer. Mit der Wackelzahnpubertät beginnt also auch nach außen, für alle sichtbar, der Abschied von der (Klein)kindzeit. Wichtig ist übrigens, dass ihr die neuen Zähne eurer Kinder auch weiterhin nachputzt. Bloß nicht zu früh die Verantwortung dafür euren Kindern überhelfen. Ich wurde letztens sehr erstaunt angeschaut, weil ich meiner Sechsjährigen noch die Zähne nachputze. Aber das ist wichtig, die meisten Kinder sind motorisch noch gar nicht so weit, ihre Zähne selbst gründlich zu putzen.

Erst Backenzähne, dann Zahnlücken

Bei meiner Tochter kamen übrigens wirklich die Backenzähne vor den ausgefallenen Milchzähnen. Deswegen habe ich im ersten Moment gar nicht an die Wackelzahnpubertät gedacht.

Wackelzahnpubertät – wie lange?

Die Wackelzahnpubertät ist sehr anstrengend, für Kinder und Eltern. Ich frage mich oft, wie lange ich diese Stimmungssschwankungen aushalten soll. So ungefähr bis zum neunten Lebensjahr wird sie euch begleiten. Allerdings geht es danach ja auch mit großen Schritten Richtung echter Pubertät. Die Wackelzahnzeit ist besonders geprägt von diesen zwei Polen, sich erst ganz klein und dann ganz groß zu fühlen. Und das ist tatsächlich etwas, dass eure Kinder nun bis ins Teeniealter begleiten wird.

Kinder testen Verlässlichkeit der Eltern

Ich bin manchmal ziemlich erschrocken, wenn ich sehe, wie meine Tochter sich quasi über Nacht verändert. Sie lernt soviel Neues, probiert sich aus und testet natürlich die Grenzen von uns Eltern aus. Es geht in der Zeit auch viel um Rückversicherung. Sind die Regeln, die wir Eltern aufstellen weiterhin gültig? Lieben meine Eltern mich genauso wie die letzten Jahre? Sie sind da, sind sie verlässlich? All das testen Kinder in dieser Phase aus, deswegen ist es so wichtig, dass wir Eltern da den guten Rückhalt bilden. Was übrigens nicht heißt, dass wir alles mit uns machen lassen sollten. Aber verlässlich auf die Kinder achten, das ist unsere Aufgabe.

Wackelzahnpubertät – was tun?

Da sein. Die Launen aushalten. Grenzen setzen und Grenzen wahren. Wir müssen die Arme aufmachen und unsere Kinder festhalten, wenn sie sich nach Halt und Unterstützung sehnen. Und gleichzeitig ist dies die Zeit, in der wir ihnen dabei zusehen, wie sie uns ein Stück weit weniger brauchen. Das geht nicht von heute auf morgen, aber ja, unsere Kinder werden selbstständiger. Und wir müssen mit den neuen Entwicklungen Schritt halten.

Grenzen setzen ist wichtig

Das heißt übrigens nicht, dass wir uns alles gefallen lassen müssen. Es ist ok, (neue) Grenzen zu ziehen. Denn genau das brauchen unsere Kinder ja auch. Wir führen hier oft die immergleichen Diskussionen, weil meine Tochter sehr genau überprüfen will, ob das, was letzte Woche noch galt, auch morgen noch gilt. Manchmal finde ich das unglaublich anstrengend. Weil ich, einfach um selbst Ruhe zu haben, mal fünfe grade sein lassen möchte. Aber ich weiß auch: Ich helfe ihr mehr damit, wenn ich immer wieder da bin und erkläre, wie unser Zusammenleben am besten funktioniert. Manchmal guckt mich meine Tochter dann ganz zufrieden an. So, als hätte ich alles richtig gemacht.

Wackelzahnpubertät mein erstes Buch
Mein erstes Buch! In „Nicht mehr klein und noch nicht groß“ geht es, natürlich, um die Wackelzahnpubertät

Wackelzahnpubertät – das nervt aber

Ja, das kann unglaublich nerven. Ich habe ein Buch über die Wackelzahnpubertät geschrieben und muss manchmal sehr lachen, weil ich mich selbst nicht immer daran halte. Ich bin da ganz ehrlich. Manchmal finde ich diese Zeit einfach nur blöd und anstrengend und habe keine Lust mehr. Ich finde meine Tochter nach wie vor toll, aber ich könnte gut auf diese schlechte Laune verzichten. Oder auf diese ganz kuscheligen Zeiten, in denen sie quasi auf mir klebt und ich nichts, gar nichts allein machen kann. Und doch weiß ich, dass das alles wichtige Schritte für sie sind, um gut durch die Zeit zu kommen. Ich versuche also, mich an meine eigenen Worte zu erinnern und die Wackelzahnpubertät auch mal zu genießen. Besonders die vielen Kuscheleinheiten. Denn diese Zeit, die kommt so schnell nicht wieder.

Wie geht es anderen Familien in der Wackelzahnpubertät?

Wie geht es euch und euren Kindern in dieser Phase? Ich freue mich so sehr auf Austausch. Vielleicht hat auch jemand Lust auf einen Gastpost zum Thema? Schreibt mir gern. Und klar, ein bißchen Eigenwerbung: Ich habe ein Buch zum Thema Wackelzahnpubertät geschrieben. Ihr findet im Artikel dazu auch eine Leseprobe. Könnt ihr gern mal rein lesen.

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